Institute of Political Science

Social integration and political participation

funded by the Swiss National Science Foundation

Project Leader

Klaus Armingeon

Research Collaborator

Emmanuel von Erlach

Period

2001 - 2003

Description 

Ziel dieses Projektes ist die Klärung des Zusammenhangs zwischen sozialen und politischen Formen staatsbürgerlichen Engagements. Die Partizipation in Vereinen, Verbänden, Selbsthilfe-Gruppen, Bürger-Initiativen und Organisationen aller Art wird als ein Mechanismus sozialer Integration verstanden, der mit anderen Integrationsinstanzen - der Familie, der Arbeit, der Nachbarschaft und Freundeskreisen - in wechselseitiger Abhängigkeit verbunden ist. Politische Partizipation gilt als das Herzstück demokratischer Integration.

Dieses Projekt untersucht die Mechanismen, welche diese beiden Formen gesellschaftlicher Integration miteinander verknüpfen. Es steht in engem Zusammenhang mit den aktuellen Debatten um Demokratiemodelle, Bürgermodelle, Zivilgesellschaft, Soziales Kapital und ‘Krise des Sozialstaats’. Empirisch geht es um die kritische Bewertung dieser eher normativen Ansätze: Unter welchen gesellschaftlichen und organisatorischen Bedingungen kann soziale Beteiligung einen qualitativen (‘bessere’ Demokraten) und quantitativen (mehr aktive Demokraten) Beitrag zum diagnostizierten ‘Malaise’ zeitgenössischer Demokratie leisten? Diese Fragen lassen sich beim jetzigen Stand der Forschung nicht beantworten. Mit Hilfe einer allgemeinen Bevölkerungsumfrage und einer vertiefenden Organisationsstudie soll die politische Funktion sozialer Partizipation beleuchtet werden. Dieses Projekt bildet den schweizerischen Teil einer international vergleichenden Studie.

Results

Die Resultate der verschiedenen Analysen (für die Schweiz, aber auch im europäischen Vergleich) für den Zusammenhang zwischen sozialer Integration in Verbänden und Vereinen und politischer Partizipation legen den Schluss nahe, dass Vereine nicht eigentlich als Schulen der Demokratie bezeichnet werden können, sondern dass sie vielmehr Ausdruck einer engagierten Bürgerschaft sind. Individuen, von denen aufgrund ihres sozioökonomischen Status oder ihrer politischen und gesellschaftlichen Orientierungen ohnehin ein überdurchschnittliches politisches Engagement erwartet wird, sind in Vereinen und insbesondere in Vereinsvorständen überrepräsentiert. Vereine dienen als zivilgesellschaftliche Infrastruktur, die es Individuen ermöglicht, sich sozial und politisch zu engagieren, ohne dabei aber zu einer breiten Politisierung der Bevölkerung beizutragen. Dies manifestiert sich beispielsweise dadurch, dass Vereine sowohl absolut auch relativ wesentlich weniger häufig den Kontext politischer Diskussionen darstellen als die Familie oder Freundeskreise. Die Resultate zur politischen Mobilisierung durch Vereine im lokalen Kontext lassen sich in drei Befunden zusammenfassen: (1) Die Gemeindegrösse hat keinen eindeutigen Einfluss auf die politische Mobilisierung durch Vereine. Dieser Befund gilt nicht für die Vereinstruktur. Mit der Gemeindegrösse wächst die Anzahl und Unterschiedlichkeit von freiwilligen Zusammenschlüssen und das Gewicht von Dienstleistungsorganisationen nimmt zu, während die Dominanz der Sportvereine nachlässt. (2) Die föderalistische Struktur bewirkt, dass viele lokale Zusammenschlüsse auch in kantonale oder nationale Funktionszusammenhänge eingebettet sind. (3) Die Möglichkeitsstrukturen des lokalen politischen Systems haben Auswirkungen auf die politische Partizipation und ihre Vermittlung durch Vereine. Dort wo ausgeprägte direktdemokratische Strukturen bestehen (d.h.v.a. Deutschschweizer Gemeinden), sind Vereine und deren Mitglieder auch stärker politisch eingebunden.