Année Politique Suisse – 50 Jahre Beitrag zur Meinungsbildung

Bericht zum Jubiläum

Année Politique Suisse, die Chronik zur Politik der Schweiz feierte am 24. und 25. November 2016 das 50-jährige Bestehen. Mit einer Jubiläumsfeier und einer Podiumsdiskussion am Donnerstag sowie einer populärwissenschaftlichen Tagung und einem Informationsseminar am Freitag wurde nicht nur der 50-jährigen Erfolgsgeschichte des Unternehmens gedacht, sondern auch der Schritt in eine neue digitale Zukunft gefeiert.

Das vor 50 Jahren von Erich Gruner und Peter Gilg gegründete und zwischen 1984 und 2011 von Hans Hirter geleitete Projekt, das seit 2005 ein Unternehmen der SAGW ist, wird nicht mehr länger als gedrucktes Jahrbuch publiziert. Die Synthesen der wichtigsten Ereignisse der nationalen Politik werden ab Januar 2017 auf der Basis einer internetbasierten Plattform aufgeschaltet. Dies erlaubt eine einfachere und strukturiertere Suche und vor allem das Nachzeichnen ganzer politischer Prozesse und Entwicklungen.

Neben der Erörterung dieser Neuerung im Rahmen des Informationsseminars, das von Medienschaffenden, Dokumentationsdienstleistenden, Studierenden und weiteren, an Politikdokumentation interessierten Personen besucht wurde, stand das Jubiläum von Année Politique Suisse im Zeichen der Meinungsbildung in der direkten Demokratie. Année Politique Suisse möchte damit unterstreichen, dass sich die im Rahmen des Projekts erfolgte Synthese und Dokumentation der Schweizer Politik auch in der Tradition der Gründer als Grundlage für die Meinungsbildung eignet: Das „Gedächtnis der Schweiz“ (Erich Gruner) dient der Einordnung politischer Entscheidungen in deren Entstehungsprozess und hilft damit, tagesaktuellem Sensationsjournalismus mit mehr Gelassenheit zu begegnen.

Auf die Bedeutung fundierter Meinungsbildung wies denn auch der Ehrengast der Jubiläumsfeier am Donnerstag hin: Bundekanzler Walter Thurnherr pries Année Politique Suisse zum Schluss seiner Rede als Akteur, der hierzu beitragen kann: Vielleicht – so Thurnherr – hätte gar die Weltgeschichte einen anderen Ausgang genommen, wenn Wladimir Iljitsch Uljanow während seines Aufenthaltes in der Schweiz Année Politique Suisse bereits zur Verfügung gestanden hätte. Kurt Nuspliger, der aktuelle Präsident der von der SAGW eingesetzten APS-Kommission und Nachfolger von Carlo Malaguerra, der diese Funktion ab 2005 während 10 Jahren innehatte, nahm den Faden auf und beschrieb die historische Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Bund, SAGW und Universität Bern. Es ist auch dieses Zusammenspiel, das es Année Politique Suisse ermöglicht, verschiedene Brückenfunktionen zu übernehmen.

Das Podiumsgespräch, das mit Spezialistinnen und Spezialisten aus Wissenschaft (Prof. Adrian Vatter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Bern), Verwaltung (Barbara Perriard, Leiterin Sektion Politische Rechte der Bundeskanzlei), Zivilgesellschaft (Emilia Pasquier, Geschäftsführerin Foraus), Parteipolitik (Martin Baltisser, ehem. SVP-Generalsekretär) und Medienöffentlichkeit (Karin Bauer, Journalistin und Autorin) besetzt war und von Markus Häfliger (Bundeshauskorrespondent Tagesanzeiger / Der Bund) geleitet wurde, beleuchtete verschiedene Facetten der Meinungsbildung. Einigkeit herrschte dabei über die Notwendigkeit guter Information für die Bildung einer politischen Meinung. Wie diese Information allerdings auszusehen hat, wer sie in welchem Umfang bereitstellen soll und auf welche Weise sie abgerufen wird – darüber waren sich die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer weniger einig. Davon zeugten auch die lebhaften Diskussionen beim anschliessenden Apéro Riche, bei dem die rund 200 anwesenden Gäste zudem Gelegenheit erhielten, die neue Internetplattform zu testen.

Auf grossen Anklang stiess die populärwissenschaftliche Tagung am Freitag. In drei Blöcken präsentierten jeweils vier Fachpersonen in Kurzreferaten in verständlicher Sprache die Befunde ihrer Forschungsanstrengungen. Insgesamt wurde die Tagung von ungefähr 100 Personen aus den Bereichen Wissenschaft, Verwaltung, Politikberatung und Medien besucht. Dieses als Experiment angekündigte Vorhaben gelang, wovon die positiven Rückmeldungen der Zuhörerinnen und Zuhörer zeugen. Insbesondere wurde auch die Zusammenarbeit mit DeFacto hervorgehoben, einer Internetseite, die Forschung und Expertenwissen verständlich machen und einem interessierten Publikum zur Verfügung stellen will. Die verschriftlichen Kurzreferate der Année Politique Suisse-Tagung wurden noch während der Vorträge auf DeFacto aufgeschaltet und fanden einigen Nachhall auch in der Presse. Die Ausgangsidee von Année Politique Suisse, eine Brücke zwischen Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit zu schlagen, hat sich mit der populärwissenschaftlichen Tagung sehr bewährt. Nicht wenige Besucherinnen und Besucher wünschen sich eine Neuauflage von „Wissen schaffen“ – so der Name des Gefässes.

Alles in allem kann die Jubiläumstagung als Erfolg bezeichnet werden. Dies ist nicht zuletzt auch auf die grosszügige finanzielle Hilfe verschiedener Sponsoren zurück zu führen. Neben der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) haben auch die Schweizerische Mobiliar und die Burgergemeinde Bern, das Institut für Politikwissenschaft sowie die Universität Bern den Anlass unterstützt.

Neben den Sponsoren gilt unser Dank auch allen ehemaligen und aktuellen Redaktorinnen und Redaktoren des APS. Auch Hans Hirter, der das Projekt dank seiner umsichtigen Leitung vorangebracht hat, Wolf Linder, der dem Unternehmen bei der Übernahme des Instituts für Politikwissenschaft im Jahre 1987 den nötigen Platz eingeräumt hat und Carlo Malaguerra, der als Präsident der SAGW-Kommission APS ab 2005 die Modernisierung des Unternehmens entscheidend vorangetrieben hat, sei herzlich gedankt. Ein ganz besonderer Dank gebührt der SAGW. Die Akademie ist seit 2005 nicht nur verantwortlich für den Einsatz der Mittel in Form von gebundenen Bundesbeiträgen und für die Qualitätssicherung von Année Politique Suisse, sondern hat die Entwicklung der internetbasierten Plattform durch zusätzliche Finanzierung überhaupt erst ermöglicht. Ohne all diese Akteure gäbe es kein Gedächtnis der Schweizer Politik. 

 

Bern, 9. Dezember 2016; Marc Bühlmann