Machtdiffusion und Demokratie - Entstehung, Dynamik und Folgen empirischer Demokratiemuster

Leitung

Prof. Dr. Adrian Vatter

Mitarbeiter

Dr. Julian Bernauer

Beschreibung

Das seit 2012 laufende Forschungsprojekt befasst sich mit der Charakterisierung demokratischer Systeme. Die politisch-institutionelle Ausgestaltung der Demokratie kann mit Blick auf die Diffusion von Macht ganz unterschiedliche Formen annehmen, die sich auf das Verhalten politischer Akteure und die Performanz und Legitimität eines politischen Systems auswirken.

Die Ziele des Projekts sind:

  1. Eine grundlegende theoretische Fundierung des Konzepts der «Machtdiffusion» und
  2. eine umfassende, aktuelle Analyse empirischer Demokratiemuster, ihrer Ursachen und Auswirkungen.

Im Rahmen der theoretischen Grundlegung von Machtdiffusion greifen wir auf die Unterscheidungen zwischen proportionaler (konsensualer) und Mehrheitsdemokratie, Präsidentialismus und Parliamentarisms, Zentralisierung und Dezentralisierung, sowie direkte und repräsentative Demokratie zurück. Diese werden in ein mehrdimensionales Konzept der Machtdiffusion überführt, dass die empirische Vielfalt von und die Wechselwirkungen zwischen einzelnen politischen-institutionellen Merkmalen integriert. Basierend auf einer Kombination institutioneller und deliberativer Ansätze wird eine Verbindung zwischen dem Grad der Machtdiffusion, dem Verhalten politischer Akteure, und den Auswirkungen auf die Performanz und Legitimität der Demokratie hergestellt. Bei der anschliessenden empirischen Untersuchung werden diese Forschungsfragen verfolgt:

  • Wie lassen sich heutige Demokratien mit Blick auf ihre Machtdiffusion empirisch verorten?
  • Wie lässt sich der Grad der Machtdiffusion erklären?
  • Konvergieren Demokratien zu einem bestimmten Modell der Machtdiffusion?
  • Wirkt sich Machtdiffusion auf die Performanz und Legitimität von Demokratie aus?
  • Finden sich vergleichbare Muster der Machtdiffusion auch auf der Ebene subnationaler Einheiten?
     

Als Ergebnis des Projekts wird die Publikation einer Forschungsmonographie angestrebt. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wird ein 61 Länder und den Zeitraum zwischen 1990 und 2015 umfassender Datensatz aufgebaut und ausgewertet. Die Daten werden zu Forschungszwecken zugänglich gemacht. Ein besonderes Augenmerk liegt weiter auf der Messung von Demokratiemustern und der Modellierung ihrer Ursachen und Auswirkungen. In methodischer Hinsicht wird dabei auf Messmodelle zurückgegriffen, die dem Konzept der latenten Machtdiffusion in Demokratien gerecht werden, und generell ein einheitlicher statistischer Ansatz gewählt, der etwa die nicht zufällige Auswahl der untersuchten Fälle, hierarchischen Datenstrukturen und räumliche Abhängigkeiten besser bewältigen kann als alternative Vorgehensweisen.

News

Im Mai 2019 ist die zugehörige Monographie «Power Diffusion and Democracy. Institutions, Deliberation and Outcomes» bei Cambridge University Press erschienen.

Verwandte Publikationen

  • Bernauer, Julian und Adrian Vatter (2017). «Conflict, Choice or Geography? Explaining Patterns of Democracy in Continental Europe». European Jour-nal of Political Research 56(2): 251–278.
  • Bernauer, Julian, Adrian Vatter and Nathalie Giger (2014): «New Patterns of Democracy in the Countries of the Comparative Study of Electoral Sys-tems 2». In: Jacques Thomassen (ed.), «Elections and Representative De-mocracy: Representation and Accountability». Oxford: Oxford University Press, S. 20–37.
  • Vatter, Adrian, Matthew Flinders und Julian Bernauer (2014): «A Global Trend towards Democratic Convergence? A Lijphartian Analysis of Ad-vanced Democracies». Comparative Political Studies 47(6): 903–29.
  • Bernauer, Julian and Adrian Vatter (2012): «Can’t Get No Satisfaction with the Westminster Model? Winners, Loser, and the Effects of Consensual and Direct Democratic Institutions on Satisfaction with Democracy». Euro-pean Journal of Political Research 51(4): 435–68.
  • Vatter, Adrian and Julian Bernauer (2009): «The Missing Dimension of Democracy. Institutional Patterns in 25 EU Member States between 1997 and 2006». European Union Politics 10(3): 335–59.